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← Magazin 31. Mai 2026
Geschichte · No. I

125 Jahre Spielzeugmuseum Sonneberg: das älteste deutsche Spielzeug-Museum und seine Sammlung

Das 1901 gegründete Deutsche Spielzeugmuseum Sonneberg verwahrt über 100.000 Objekte und dokumentiert eine Region, die vor 1933 als Welt-Spielzeug-Hauptstadt galt.

Wenn im laufenden Jahr das Deutsche Spielzeugmuseum in Sonneberg seinen 125. Jahrestag begeht, steht damit nicht nur das älteste deutsche Spielzeug-Museum im Mittelpunkt, sondern auch eine Region, die in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu den international bedeutendsten Produktions-Standorten des Spielzeug-Handwerks zählte. Die Stadt im thüringischen Schiefergebirge war vor 1933 ein wirtschaftliches Zentrum, dessen Bedeutung sich heute nur noch in der Tiefe der Museums-Sammlung ablesen lässt.

Gründung 1901 und frühe Sammlungs-Geschichte

Die Eröffnung erfolgte 1901 als Industrie- und Gewerbemuseum unter dem Eindruck der Pariser Welt-Ausstellung von 1900, auf der die Sonneberger Spielwaren-Industrie ein gemeinsam gestaltetes Ensemble präsentiert hatte. Der ursprüngliche Sammlungs-Zweck war zunächst gewerblich: Das Museum sollte den lokalen Handwerks-Betrieben eine Mustersammlung zur Verfügung stellen und zugleich die regionale Produktion gegenüber auswärtigen Käufer-Delegationen dokumentieren. Aus diesem pragmatischen Anfang entstand im Verlauf der ersten Jahrzehnte eine systematisch erweiterte Spielzeug-Sammlung.

Heute umfasst der Bestand mehr als 100.000 inventarisierte Objekte. Den Schwerpunkt bilden Puppen, Stoff-Tiere, Holz-Spielzeug und mechanische Figuren der späten 19. und frühen 20. Jahrhunderte – vornehmlich aus der eigenen Region, aber auch aus den traditionellen Konkurrenz-Standorten Nürnberg, dem Erzgebirge und Süddeutschland.

Sonneberg als Welt-Spielzeug-Hauptstadt vor 1933

Die wirtschaftliche Bedeutung des Standorts in den Jahrzehnten vor 1933 wird in der Forschungs-Literatur regelmäßig mit dem Anteil an der weltweiten Spielzeug-Produktion umrissen. Zeitgenössische Schätzungen, auf die sich die Museums-Dauerausstellung beruft, gehen von einem Anteil von bis zu achtzig Prozent der weltweit gehandelten Spielwaren aus, die in Sonneberg und der umliegenden Region hergestellt oder über Sonneberger Verlags-Häuser vertrieben wurden. Die Mehrzahl der Werkstätten arbeitete in Heim-Arbeit; das Museum bewahrt eine umfangreiche Dokumentation dieser Arbeits-Verhältnisse, einschließlich originaler Werkbänke und Verpackungs-Materialien.

Die Zäsur des Jahres 1933 und die anschließende Konzentration der Spielwaren-Industrie auf wenige Groß-Betriebe bedeuteten den Beginn eines schrittweisen Bedeutungs-Verlusts. Die Teilung Deutschlands nach 1945 verstärkte diesen Prozess: Sonneberg lag in der späteren DDR und damit abseits der westdeutschen Produktions- und Vertriebs-Strukturen.

DDR-Zeit und das Sandmann-Erbe

Während der DDR-Zeit blieb das Museum in Betrieb und wurde in das Netz der staatlich getragenen Volks-Bildungs-Einrichtungen eingegliedert. Die Sammlungs-Erweiterung der Jahre 1949 bis 1989 spiegelt diese institutionelle Einbettung wider: Das Museum verwahrt eine vollständige Reihe der wichtigsten DDR-Spielzeug-Produktionen, darunter Klassiker des Hauses VEB Sonneberger Puppenwerk, Holz-Erzeugnisse aus dem Erzgebirge und Gummi-Figuren aus thüringischen Betrieben. Diese Sammlungs-Gruppe stellt heute einen der wenigen vollständig dokumentierten Bestände der DDR-Spielwaren-Industrie dar und wird von der internationalen Forschung entsprechend nachgefragt.

Vergleich mit den weiteren deutschsprachigen Häusern

Im deutschsprachigen Vergleich ordnet sich Sonneberg vor das 1971 gegründete Spielzeugmuseum Nürnberg ein, das auf der ehemaligen Sammlung des Sammler-Ehepaars Bayer aufbaut und seinen Schwerpunkt auf süddeutsches und nürnbergisches Spielzeug legt. Hinzu kommen das Spielzeugmuseum Wien im Schloss Hetzendorf sowie das im Alten Rathaus untergebrachte Spielzeugmuseum München. Während die Sammlungen in Nürnberg, Wien und München ihren Schwerpunkt auf bürgerliches Spielzeug der Vor-Industrialisierungs-Zeit und der Gründer-Jahre legen, beansprucht Sonneberg eine durchgehende industrielle Linie über fünf Jahrzehnte hinweg.

Forschungs-Aufgaben der kommenden Jahre

Für das Jubiläums-Jahr 2026 ist eine Sonder-Ausstellung zur frühen Welt-Ausstellungs-Geschichte vorgesehen; die Vorbereitungs-Arbeiten greifen auf bislang nicht ausgewertete Archiv-Bestände der Sonneberger Verlags-Häuser zurück. Mittelfristig steht die Digitalisierung großer Bestands-Teile auf der Forschungs-Agenda. Für die Sammler-Szene des deutschsprachigen Raums – ob im Ü-Ei-Verein, in den Schleich-Arbeitskreisen oder in der losen Pop!-Vinyl-Community – bleibt das Museum eine zentrale Bezugs-Adresse: weniger für die Bewertung einzelner Objekte als für das Verständnis der historischen Tiefen-Linie, aus der das gegenwärtige Sammeln gespeist wird.


Ressort: Geschichte